Moving on

Sie singt. Sie hat die Belle Epoque in Paris erlebt. Sie war Raubkatze in New York. Sie hat mit ihrem legendären Nachtclub das Berliner Nachtleben im Handumdrehen revolutioniert, die Veränderung ist heute noch spürbar. Sie hat David Bowie die Sinne geraubt. Sie hat gezeigt, wie man immer wieder einen neuen Weg gehen kann und sich doch treu bleibt. Sie kämpft für Menschen mit HIV. Sie hat eine politische Haltung und bleibt lässig dabei.

„Eines der Dinge, an die ich glaube, ist, dass unsere Kraft immer im Jetzt liegt. Heute ist die einzige Zeit, die es für uns wirklich gibt. Auf ein Neues!“

Mit dieser Lebenshaltung und einem Koffer voller Erfahrungen geht Romy Haag von der Bühne ins Studio. Herausgekommen ist ein Album einer Künstlerin, die nach vorne blickt, der Titel MOVING ON ist programmatisch. Und so sind es die Lieder aus dem Repertoire einer stolzen Karriere, aber auch ganz neue Werke, die sich auf der CD wiederfinden. Nie nostalgisch aus der Mottenkiste, sondern immer aktuell am Zahn der Zeit. Mal dynamisch, mal entspannt, mal humorvoll, immer sehnsüchtig und musikalisch frei von Schubladen.

Die Lieder von Menschen, die ihr begegnet sind, erhalten ein neues Gesicht, so „Wild Side“ von Lou Reed – in dem viele von Romys Weggefährtinnen aus ihrer New Yorker Zeit im 82Club besungen werden, oder auch „Helden“ – ihre Version mit Delphinen und „the king and the queen“ geht mit David Bowies Original verträumt um und ist stark von den 70ern geprägt. „Flugzeuge im Bauch“ von Herbert Grönemeyer oder Bonnie Tylers „It’s a heartache“ gehören auch in diese Kategorie.

Zusammen mit Rock-Poet Denis Fischer singt sie die Ballade „Backseat of your Cadillac“, welches auch aus dessen Feder stammt. Die Erotik auf dem Hintersitz wird spürbar, das Lied ist der Velvet-Underground-Sound von heute!

The Lady likes Disco. „Be my Loverman“ ist eine Produktion von 2raumwohnung (Inga Humpe & Tommi Eckart), die in Zusammenarbeit mit Romy Haag entstand. „Moving on“ ist ein Progressive Dance Experiment, ebenso Romy Haags eigener Text „Spiegel meiner Träume“.

Romy Haags Sicht auf die heutige Welt ist durchaus kritisch. Mit Gelassenheit nutzt sie ihren eigenen Stil, sich für Toleranz und gegen Ausgrenzung einzusetzen. Leonard Cohens „Everybody knows“ und Bettina Wegners „Jesus“ erscheinen im Ton locker und verspielt und sind doch eine sehr genaue Betrachtung der heutigen Gesellschaft.

Und last but not least darf auch das persönlichste aller Lieder, „Meine blaue Gitarre“, welches Klaus Hoffmann Romy Haag einst auf den Leib schrieb, nicht fehlen. Mal verrucht und leidenschaftlich, mal rockig und sanft, mal animalisch und stilvoll, aber immer klassisch modern: Romy Haag hat schwarzen Samt in der Stimme – and she keeps MOVING ON!

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